Während Jochen Koch sich im 1. Teil des Interviews unter anderem dazu äußert, warum Online-Marketing auch für kleine Unternehmen so wichtig ist, schildert der 45-Jährige im 2. Teil, woran man ein faires Preis-Leistungsverhältnis erkennt und was man in Sachen Online-Marketing tun und lieber unterlassen sollte!
Frage: Wie sieht ein faires Verhältnis aus Ihrer Praxis aus – zwischen Preis, Leistung und realistischem Nutzen aus?
Jochen Koch: Ich kann hier natürlich nur für mich sprechen. Sicherlich gibt es andere Herangehensweisen bei der Preisfindung. Ich selbst habe einen für mich definierten Stundensatz, den ich mit dem geschätzten Aufwand multipliziere und dann noch eine Gewinnmarge bzw. Know-how-Vergütung aufschlage.
Anschließend folgt die Gegenprobe mittels Realitätscheck gemischt mit etwas Bauchgefühl: Wäre ein Unternehmen aus meiner Zielgruppe bereit, diesen Preis zu zahlen? Kann es sich das überhaupt leisten? Wie groß ist der Nutzen aus meiner Leistung für das Unternehmen? Was spart sich der Kunde dadurch?
Nennen Sie mir bitte ein Beispiel!
Jochen Koch: Für die Einrichtung bzw. Schulung und Optimierung eines Google-Unternehmenseintrags berechne ich 199 Euro. Da stecken meist 1 bis 1,5 Stunden drin. Der Rest ist oben genannter Aufschlag.
Kürzlich habe ich die Rechnung eines Marktbegleiters zu sehen bekommen: 1.500 EUR für die gleiche Leistung. Sie war im Detail aufgeführt und deckungsgleich mit meiner. Jetzt kann man natürlich sagen, ich wäre einfach nur ein schlechter Verkäufer. Aber für mich spielen wirtschaftliche Betrachtungen für Verkäufer und Käufer eine Rolle – und bestimmte ethische Grundsätze, denen ich folge.
Mein Tipp daher an jeden Unternehmer: Wichtiger als ein zweites Angebot einzuholen, ist es, sich eine zweite Meinung einzuholen, zum Beispiel von Unternehmerkolleginnen und -kollegen.
Jeder Kunde will freilich den größten Benefit aus einer Marketingkampagne ziehen! Ist es in diesem Zusammenhang sinnvoll, Garantien im Marketing abzugeben?
Jochen Koch: Wie schon gesagt hat das Wort Garantie im Marketing nichts verloren. Denn was bei einem Kunden funktioniert, muss beim nächsten nicht zwangsläufig auch funktionieren. Es spielen so viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Beim Social Recruiting sind das unter anderem der Grad des Fachkräftemangels in der Branche bzw. dem Gewerk, die Attraktivität des Unternehmens, wie etwa Größe, Benefits, Außendarstellung, sein Standort und natürlich auch dessen Ruf in der Region.
Ich weise meine Kunden auf diesen Sachverhalt stets hin und sage explizit, dass ich ihnen nichts garantiere, außer dass ich mein Bestes geben werde, die Kampagne erfolgreich zu machen. Diese Ehrlichkeit zahlt sich aus: Sie schafft Vertrauen und erzeugt keine falsche Erwartungshaltung.
Zu guter Letzt: Was sind Ihre persönlichen 3 „Do´s“ und „Do not´s“ im Online-Marketing….
Jochen Koch: Ich beginne mit den Don’ts: Der 1. Fehler: Der Glaube, dass man kein Online-Marketing braucht: Man erfährt zwar oft, wenn ein Geschäft dank Marketing zustande kam. Man erfährt aber nahezu nie, wenn ein Geschäft wegen fehlenden Marketings nicht zustande kam.
Der 2. Fehler: Man sollte nicht versuchen, alles selbst zu machen: Online-Marketing ist ein extrem weites Feld. Dazu gehören Social Media organisch, Social Media Ads, Google Ads, SEO, Google-Unternehmenseintrag, Website, Blogbeiträge, E-Mail-Marketing. Es ist selbst für die meisten Online-Marketing-Agenturen und vor allem für selbstständige Online-Marketer wie mich völlig unrealistisch, alles zu können. Wie sollte das ein Unternehmen, das einen ganz anderen Geschäftszweck hat, auch nur ansatzweise beherrschen können?
Drittens: Dienstleistern von Anfang an blind zu vertrauen! Entweder Referenzen und/oder zweite Meinung und/oder Alternativangebote einholen. Oder „klein“ starten, d.h. kleine Leistung für kleines Geld. Und wenn die Zusammenarbeit klappt und die Ergebnisse stimmen, die Geschäftsbeziehung ausbauen.
„Ich empfehle stets einen Wettbewerbsvergleich!“
Dann kommen wir zu den „Do´s“, also den Geboten…
Jochen Koch: Ich empfehle stets einen Wettbewerbsvergleich: Was machen meine direkten Wettbewerber? Kann ich mir von ihnen was abschauen? Kann ich sogar in Erfahrung bringen, was funktioniert und was nicht? Viele Handwerker sind beispielsweise gut vernetzt und sehen sich nicht zwingend als Konkurrenten. Auch in einem Unternehmernetzwerk, wie zum Beispiel BNI, kann man sich direkt untereinander austauschen.
Hierzu ein Tipp: In der Meta Werbebibliothek (www.facebook.com/ads/library) kann man sich alle weltweit aktiven Werbeanzeigen auf Facebook/Instagram anschauen.
Mein zweites Gebot: Marketing-Knowhow aufbauen: Man muss nicht alles selbst können und machen, aber man sollte sich ein wenig weiterentwickeln im Bereich Marketing – gerne mit dem Dienstleister gemeinsam. Das persönliche LinkedIn-Profil pflegen, den Google-Eintrag einmal pro Monat aktualisieren, Blogbeiträge schreiben, Social-Media-Posts und -Stories erstellen.
In der Summe ist das ein riesiger Brocken. Aber eine dieser Aufgaben bekommt jeder Unternehmer hin bzw. kann es an einen Mitarbeiter delegieren, wenn der Wille da ist. Leider höre ich zu oft: „Damit kenne ich mich nicht aus, das verstehe ich nicht, das ist nicht meine Welt.“ Das kann dann teuer werden …
Ihr drittes Gebot….
Jochen Koch: …. Feedback sammeln! Wie ist der neue Kunde auf mich aufmerksam geworden? Warum hat er sich für mich entschieden? Hat mein Bestandskunde den letzten Newsletter gelesen? Das muss nicht alles mit Analyse-Tools ausgewertet werden. Solche Fragen können ganz einfach in den alltäglichen Kundendialog mit aufgenommen werden und eröffnen interessante Einblicke in die Funktionsweise und Wirksamkeit des eigenen Marketings.
Vielen Dank für Ihre Expertise, Herr Koch!
Jochen Koch: Zwei Bonustipps habe ich noch: Sammeln Sie aktiv Google-Bewertungen, indem Sie den dafür vorgesehenen Direktlink aus Ihrem Google-Eintrag an Kunden persönlich verschicken! Und: Nutzen Sie Ihren persönlichen WhatsApp-Status (und bitten Sie auch Ihre Mitarbeiter darum) für Angebote und Stellenanzeigen. Warum? Über WhatsApp erreichen Sie nahezu nur (lau)warme Kontakte. Und das Ganze ist kostenlos.
Die Fragen stellte Stefan Beck
Kitzingen, 31. Juli 2026
Weitere Infos zur Expertise von Jochen Koch finden Sie auf seiner Webseite unter www.jochenkoch.de
Foto oben (von Jochen Koch): Veronika Schweiger



