„Kunden vergleichen mehr denn je anhand von Bewertungen“

Jochen Koch ist seit 2020 selbstständig und Experte für Social Recruiting, also für die Mitarbeitergewinnung über bezahlte Werbung. Der 45-Jährige hat seine Firma in Langensendelbach (Lkr. Forchheim). Im 1. Teil des Interviews äußert er sich dazu, worauf es ankommt, wenn Online-Marketing erfolgreich sein soll und wie man „schwarze Schafe“ in der Branche leichter erkennt.

Frage: Herr Koch, ich höre immer wieder: Herr Beck, wir sind für Medienarbeit doch viel zu klein und können uns Pressemitteilungen, Fachbeiträge und Pressekonferenzen nicht wirklich bei uns vorstellen. Erleben auch Sie solche Meinungen von Firmen, die angeblich zu klein sind für Online-Marketing?

Jochen Koch: Ja, das kommt durchaus vor und hat verschiedene Gründe. Manche Unternehmen laufen „einfach so“, zum Beispiel Friseurläden oder Steuerkanzleien, weil der Bedarf wiederkehrend gesichert ist oder die Nachfrage größer ist als das Angebot. Es gibt aber auch solche, die es sich nicht zutrauen, die Notwendigkeit anzweifeln oder sich tatsächlich nicht vorstellen können, dass das auch bei ihnen funktionieren könnte.

Warum sollte Online-Marketing heute auch für kleine und regionale Unternehmen unverzichtbar sein? Nennen Sie mir 3 Argumente!

Jochen Koch: Nicht auch, sondern gerade für solche Unternehmen ist Online-Marketing unverzichtbar.

Warum?
Jochen Koch: Menschen vertrauen auf das, was sie kennen. Dazu gehören ihre Region und die Menschen, die dort leben: Bleiben wir bei meiner Branche. Welcher Online-Agentur würden Sie spontan eher vertrauen? Derjenigen, die mit einer Berliner, Münchner oder Kölner Nummer anruft? Oder derjenigen, die aus dem gleichen Landkreis oder Bezirk kommt und am Telefon auf ein Unternehmen aus Ihrer Nachbarschaft als Referenz verweist?

Der regionale Bezug zum Kunden ist für mich durchaus ein Argument. Doch heutzutage ist das wohl nicht entscheidend…

Jochen Koch: Ja. Und da kommen wir zum nächsten Argument: Kunden vergleichen mehr denn je anhand von Bewertungen. Egal ob Gastro, Einzelhandel oder Dienstleister – potenzielle Kunden lesen zunächst mal Bewertungen auf Google und Bewertungsplattformen. Dies gilt für B2C wie auch für B2B. Und wenn jemand regional sucht, spuckt Google dem User die besten Ergebnisse aus. Diese werden ermittelt anhand von Relevanz (Passgenauigkeit zur Suchanfrage), Entfernung und Bekanntheit (Web-Präsenz, SEO-Position und Google-Bewertungen).

Stichwort Bewertungen. Das kann ja Fluch und Segen sein, gerade im Netz….!

Jochen Koch: In der Tat! Social Media kann Vertrauen schaffen – oder auch zerstören! Mal ein Gedankenexperiment: Sie sehen beim Durchscrollen auf Social Media eine Jobanzeige eines in Ihrer Region ansässigen Unternehmens. Die Stelle interessiert Sie. Aber bevor Sie dem Link zur Bewerberseite folgen, klicken Sie auf das Profilbild, um sich den Unternehmens-Account anzusehen. Dort sehen Sie … nichts. Keine Beiträge. Nur ein leerer Account, der zum Zweck des Schaltens von Werbung erstellt wurde.

Welchen Unterschied würde es für Sie als potenziellen Bewerber machen, wenn Sie auf dem Account Beiträge finden, in denen Mitarbeiter vorgestellt, die Räumlichkeiten gezeigt, ein erfolgreiches Projekt präsentiert oder von der letzten Firmenfeier berichtet wird…?

…das ist einleuchtend! „Schwarze Schafe“ gibt es in der Praxis in jeder Branche! Woran erkennt man fragwürdige Online-Marketing-Angebote?

Jochen Koch: Hier möchte ich nur mal zwei Beispiele nennen: Für mich ist eine – wie man neudeutsch sagt – Red Flag, wenn das Wort Garantie fällt. Im Marketing gibt es keine Garantie, was den Erfolg einer Kampagne angeht. Hören Sie das, laufen Sie weg – oder legen Sie auf!

Oft wird man auch im Rahmen einer Kaltakquise telefonisch oder auf LinkedIn kontaktiert. Das Versprechen lautet dann oftmals wie folgt: „Wir zeigen Ihnen, wie Sie ohne Kaltakquise laufend neue Kunden gewinnen.“ Stellen Sie sofort die Gegenfrage: „Warum nutzen Sie dann selbst Kaltakquise?“ Wieder so eine Situation, in der man sofort „weglaufen“ sollte.

Vielen Dank für Ihre Antworten!

Die Fragen an Jochen Koch stellte Stefan Beck.

Stefan Beck, Kitzingen, 23. Juli 2026

Im 2. Teil des Interviews äußert sich Jochen Koch nächste Woche dazu, wie ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis aussieht! Und er gibt weitere Tipps, was man in Sachen Online-Marketing tun und lieber unterlassen sollte!

Zur Person: Jochen Koch wurde 1980 geboren. Sein Steckenpferd ist das Social Recruiting, also die Mitarbeitergewinnung über bezahlte Werbung auf Social Media. Dazu noch die Einrichtung und Schulung der Kunden bei Google Unternehmenseinträgen und Löschung negativer Bewertungen.

Sein zweites Standbein (ca. 10 % seines Jahresumsatzes) stammt aus dem Bereich des Affiliate Marketing: Als „WechselWiesel“ (wechselwiesel.de) spart er inzwischen für über 300 Kunden jedes Jahr bares Geld durch den automatischen Strom- und Gasanbieterwechsel. Mehr Infos zu seinem Hauptjob finden Sie unter www.jochenkoch.de

Foto oben (von Jochen Koch): Veronika Schweiger