KI-generierte Pressemitteilungen: Wie stehen Redaktionen dazu?

Viele Unternehmen, Agenturen und Kommunikationsabteilungen nutzen Künstliche Intelligenz inzwischen unterstützend in der Medienarbeit – etwa, um Pressemitteilungen zu strukturieren, Formulierungen zu verbessern oder Textvarianten zu erstellen.

Doch wie sehen das eigentlich Redaktionen? Ist es für Journalisten und Journalistinnen wichtig, ob eine Pressemitteilung von einem Menschen geschrieben oder mithilfe von KI erstellt wurde?

Diese Frage war Teil einer Mini-Umfrage, die wir von Pressebeck im Mai 2026 unter lokalen Medien, Online-Medien, Fachmagazinen sowie Rundfunk- und TV-Redaktionen durchführten. 13 Redaktionen nahmen daran teil. Die Rückmeldungen sind für uns sehr aufschlussreich.

Ein zentrales Ergebnis: Ob eine Pressemitteilung mit KI erstellt wurde, ist für viele Redaktionen nicht automatisch entscheidend. Wichtiger ist, ob der Text fachlich korrekt, überprüfbar, relevant und für die jeweilige Redaktion brauchbar ist.

Die Antworten reichten von „völlig unwichtig“ bis hin zu deutlich kritischeren Einschätzungen. Mehrere Redaktionen machten aber deutlich: Wenn ein Text gut geprüft wurde, klare Fakten enthält und einen echten Nachrichtenwert bietet, ist die Art der Texterstellung eher zweitrangig.


Problem: Ein KI-Text wirkt professionell, wird aber nicht ausreichend geprüft

Anders formuliert: Nicht KI selbst ist das Problem. Problematisch wird es dann, wenn ein Text zwar professionell klingt, inhaltlich aber ungenau, übertrieben oder nicht ausreichend geprüft ist.

Genau hier liegt aus Sicht vieler Redaktionen das Risiko. KI kann Texte flüssig und überzeugend formulieren. Das heißt aber noch nicht, dass die Inhalte stimmen. Kritisch gesehen werden deshalb unter anderem falsche Fakten, fehlende oder unklare Quellen, werbliche Sprache sowie Aussagen, die wie journalistische Einordnung klingen, obwohl sie vom Absender stammen.

Auch die Frage, wie häufig Redaktionen bereits KI-generierte Pressemitteilungen erhalten, lässt sich kaum eindeutig beantworten. Viele solcher Texte sind nicht gekennzeichnet. Einige Redaktionen erkennen bislang keine eindeutig KI-generierten Pressemitteilungen, andere gehen davon aus, dass KI bereits regelmäßig im Hintergrund eingesetzt wird.

Beim Prüfaufwand gehen die Einschätzungen auseinander. Einige Redaktionen sagen, dass jede Pressemitteilung ohnehin geprüft wird – egal, ob mit oder ohne KI. Andere weisen darauf hin, dass KI-Texte zusätzliche Aufmerksamkeit erfordern können, weil Fehler nicht immer sofort erkennbar sind.

Unser Fazit aus der Umfrage: KI-generierte Pressemitteilungen sind für Redaktionen kein automatisches Ausschlusskriterium. Entscheidend bleibt die Qualität des Inhalts.

Eine gute Pressemitteilung braucht weiterhin klare Fakten, nachvollziehbare Informationen, einen konkreten Anlass, passende Ansprechpartner und journalistisches Gespür. KI kann dabei unterstützen. Sie ersetzt aber nicht die sorgfältige Prüfung, die fachliche Einordnung und das Verständnis dafür, welche Themen für Redaktionen und deren Leser, Hörer oder Zuschauer wirklich interessant sind.

Für die Medienarbeit bedeutet das: Wer KI nutzt, sollte sie als Werkzeug verstehen – nicht als Ersatz für seriöse Kommunikation.

Zita Avak, 25. Juni 2026