Warum heißt „Presse“ eigentlich „Presse“?

„Lügenpresse“, Regenbogenpresse, Pressearbeit, Pressemitteilung, Pressekonferenz oder Boulevardpresse: Einem „Durchschnittsbürger“ ist die Bedeutung dieser Begriffe nicht fremd.  

Klar ist auch, dass dieser Bereich mit der Kompresse oder Saftpresse nichts am Hut hat. Wo liegt aber der Ursprung des Wortes „Presse“ und wie hat sich die Bedeutung des Begriffs im Laufe der Zeit entwickelt?

Wie so oft hat auf der Suche nach dem Wortursprung die lateinische Sprache ihre Finger im Spiel. „Premere“ heißt übersetzt „drücken“. In der Medienlandschaft wird unter „Presse“ der „Buch- und Zeitungsdruck“ sowie „Die Gesamtheit aller Druckerzeugnisse“ verstanden. In Deutschland bedeutete der Begriff ab dem 19. Jahrhundert die „Gesamtheit aller Zeitungen und Zeitschriften“.

Das Wort „Presse“ bekam im Laufe vieler Jahrhunderte unterschiedliche Bedeutungen angeheftet. Anfangs als Resultat einer analogen Drucktechnik umfasst es mittlerweile einen wesentlich breiteren Horizont. So bezeichnen nicht Wenige „Presse“ als die inoffizielle vierte Kraft im Rahmen der staatlichen Gewaltenteilung von Legislative, Exekutive und Judikative. Damit entpuppt sich die enorme Wichtigkeit des Begriffes. In einer funktionierenden Demokratie ist „Presse“ nicht wegzudenken.

„Presse“? – Das sind längst nicht mehr die Printmedien allein!

Ohne sie käme es kaum zur Verbreitung und Kommunikation von öffentlicher Meinung. Damit würden politische Entscheidungen nicht im Sinne des demokratischen Gedankens gefällt werden. Natürlich ist das Gesamtkonstrukt erst mit der Überschrift „Pressefreiheit“ vollkommen. Die ist im Grundgesetz im Artikel 5 fest verankert und garantiert zusammenhängendes Nachrichten- und Meinungswesen.

Warum hat „Presse“ vor allem im vergangenen Jahrhundert deutlich an Umfang gewonnen? Die ursprünglich analogen Printmedien bekamen Zuwachs von den elektronischen „Gleichgesinnten“. So zielen auch Rundfunk, Fernsehen oder Internet auf die Veröffentlichung von Meinungen und Wissen ab. Damit kam es zu einer partiellen Entfremdung der ursprünglichen Bedeutung des Wortes „Presse“.

Nachteile einer mit Informationen überfluteten Gesellschaft gibt es natürlich zuhauf. Da ist der oft genutzte Terminus der so genannten „Lügenpresse“ oder der längst gängige Begriff „Fake News“ – manchmal sind Nachrichten, insbesondere in den „sozialen Medien“, leider mit Vorsicht zu genießen, weil ihr Wahrheitsgehalt dem (kaum vorhandenen) Niederschlag in der Sahara gleicht. Wo aber kommen wir hin, wenn wir jede Nachricht zunächst mal auf die Validität solcher Aussagen prüfen müssen? Unser Anspruch jedenfalls ist es, wahrheitsgetreu Informationen und Wissen zu vermitteln.

„Pressefreiheit“ ist das Ergebnis einer logischen Argumentationskette. Die folgt nämlich der „Mitteilungsfreiheit“. Davor steht die „persönliche Meinungsfreiheit“, welche wiederum ein Produkt der „Gewissensfreiheit“ ist. Die Basis aller Folgeerscheinungen ist die „Selbstentscheidungsmacht des Menschen“. Soweit die Theorie.

Aktuell diskutieren Politiker, ob und ab welchem Punkt die Grenze von „geschmacklosem Shitstorm“ überschritten ist. Müssen derartige Nachrichten aus den bekannten Kanälen entfernt werden oder gilt die oben beschriebene „Pressefreiheit“ ausnahmslos? Es ist ein kompliziertes Spannungsverhältnis.

Florian Geiger, 3. Juli 2019

Bild oben: Mondelli Fotostudio Würzburg


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