Florian Kohl ist Inhaber des Revista Verlags e.K. in Schweinfurt. Seit mehr als 50 Jahren produziert der Familienbetrieb Gemeindeblätter in den Landkreisen Schweinfurt und Bad Kissingen und verantwortet dabei unter anderem das Layout, den Druck und den Vertrieb. Zudem betreibt man das Online-Portal www.revista.de, das über das Geschehen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport im Landkreis Schweinfurt und darüber hinaus berichtet. Seit 2026 hat der Verlag eine KI-gestützte Software entwickelt, welche Printanzeigen auf ihre optische und inhaltliche Wirksamkeit überprüft. Welche Vorteile Firmen dadurch bei der Anzeigengestaltung erhalten und was „AdRay“ alles kann, dazu äußert er sich im Interview!
Frage: Herr Kohl, was hat Sie dazu bewogen, eine KI-gestützte Software namens „Adray“ zu entwickeln? Was war Ihr „persönlicher Antreiber“?
Florian Kohl: Oft werden Layouts in Unternehmen nur nach persönlichem Geschmack beurteilt, obwohl sich der Erfolg einer Printanzeige in Bruchteilen von Sekunden entscheidet. Mein persönlicher Antreiber war es, dieses bloße Bauchgefühl in Richtung echter evidenzbasierter Entscheidungen zu verschieben.
Welche konkreten Vorteile bringt die Software Ihrem Kunden?
Florian Kohl: AdRay analysiert Printanzeigen objektiv auf einer Skala von 0 bis 10 und bewertet dabei gezielt Kriterien wie Markenerkennung, Platzierung der Handlungsaufforderung sowie die Text-Bild-Balance. Der Kunde erhält durch AdRay konkrete, einfach umsetzbare, datenbasierte Hinweise zur Wirkungssteigerung seiner Anzeige.
„Unser Prinzip lautet generell, nur so viele Daten wie nötig und so wenige wie möglich zu erheben“
Haben Sie ein aktuelles „erfolgreiches“ Beispiel dafür?
Florian Kohl: Einen spezifischen Kunden darf ich nicht nennen, aber die ersten Kunden, die unser Tool einsetzen, haben nach der Überarbeitung ihrer Anzeige schon erste messbare Erfolge erzielen können. AdRay gibt nach der Analyse konkrete Tipps bis hin zu konkreten Textvorschlägen für die Anzeigenumgestaltung an die Hand.
Sie sagten kürzlich, dass es Ihnen persönlich auch um „Datensouveränität“ geht. Ad-Ray ist offenbar hierfür ein ideales Instrument, die Daten bleiben in Ihrem Verlag – und gehen nicht an US-amerikanische oder andere Konzerne. Planen Sie weitere firmeneigene Instrumente dieser Art in Zukunft?
Florian Kohl: Datensouveränität wird meiner Meinung nach zunehmend zu einem Geschäftsvorteil: Wir verlassen uns nicht mehr auf Standardlösungen großer US-Cloud-Anbieter, sondern setzen konsequent auf europäische Infrastruktur und Open-Source-Software. Unser Prinzip lautet generell, nur so viele Daten wie nötig und so wenige wie möglich zu erheben. Aktuell arbeiten wir weiter an neuen Features für unsere REVISTA App.
„KI erleichtert die Analyse von Layouts enorm, sie kann aber den gesunden Menschenverstand nicht ersetzen“
Sie vertreten ja die Ansicht: KI ist weder ein Job-Killer noch ein Allheilmittel. Warum sind Sie sich hier so sicher? Nennen Sie mir bitte ein Beispiel!
Florian Kohl: Ich betrachte Künstliche Intelligenz weder als Heilsversprechen noch als Bedrohung, sondern als „Möglichkeiten-Multiplizierer“. Am Beispiel von AdRay zeigt sich das deutlich: Die KI erleichtert die Analyse von Layouts enorm und macht sie objektiv(er), sie kann aber den gesunden Menschenverstand nicht ersetzen. Wer Technologie sinnvoll einsetzen will, muss die „Black-Box-Natur“ von generativer KI verstehen und wissen, wo ihre Grenzen liegen.
Glauben Sie, dass das auch in 2 Jahren so ist?
Florian Kohl: Auch in den kommenden Jahren wird die Notwendigkeit bestehen bleiben, technologische Werkzeuge zu verstehen und ihre Grenzen realistisch einzuschätzen. Unser Ziel bei REVISTA ist es, täglich ein bisschen besser zu werden. Die wirklichen Herausforderungen der Zukunft sehe ich weniger in der Technik, sondern vielmehr im gesellschaftlichen Umgang miteinander und in der Bekämpfung von Politikverdrossenheit.
Das überrascht mich nun doch! Warum gerade gesellschaftlicher Umgang und Politikverdrossenheit?
Florian Kohl: Ich stelle zunehmend fest, wie im persönlichen Umgang miteinander der Trend zu einem knapperen Umgangston – der um die Coronazeit Einzug gehalten hat – oder die teilweise fast herablassende Art im Umgangston durch die aktuellen Krisen weiter verschärft wird. Jeder schaut nur noch auf sich!
Gerade im Gegenteil – also besserer Umgang miteinander! – liegt aber, so glaube ich, zumindest, die Möglichkeit, Krisen und Probleme zu lösen. Da kommen wir zur Politikverdrossenheit: Man muss auch mal andere Meinungen aushalten können, ohne denjenigen oder diejenige, die ihre Meinung vertritt, direkt persönlich anzugreifen. Wir verlieren immer mehr den Diskurs aus dem Blick und die Graustufen zwischen schwarz und weiß. Zum anderen lösen wir Probleme schlichtweg nur gemeinsam.
Noch ein paar wissenswerte Sätze zu Ihrem Verlag!
Florian Kohl: REVISTA bringt als Familienbetrieb technisches Sachverständnis mit regionaler Verwurzelung in Schweinfurt zusammen. Dabei kommt die Nachhaltigkeit beim Umgang mit Ressourcen nicht zu kurz. Wir sind, wie man so schön neudeutsch sagt, ein Full-Service-Provider für Kommunen und drucken jede Woche exakt nur die Stückzahl an Amtsblättern, die auch wirklich gebraucht wird. Auf unserem Dach haben wir eine Solaranlage, wir beziehen grünen Strom, wir schauen beim Papier auf nachhaltige Waldbewirtschaftung.
Eine sehr akute geschäftliche Herausforderung ist für uns, dass sämtliche Papiergroßhändler Preiserhöhungen angekündigt haben.
Vielen Dank für das Interview, Herr Kohl!
Die Fragen stellte Stefan Beck
Kitzingen, 4. Mai 2026
Hinweis: Interessierte Unternehmen und Agenturen können sich unter www.adray.io ab sofort auf der Warteliste für den AdRay-Anzeigen-Check registrieren.
Bildunterzeile: Der 46-Jährige leitet seit 2008 den Betrieb in Schweinfurt.
Foto oben von Florian Kohl: Ralph Pache



