„Man-Trailer“: Eine günstige Witterung lässt eine Geruchsspur länger finden

Am 1. Januar 2026 waren laut einem Sprecher des BKA in Wiesbaden rund 9.100 Fälle vermisster Personen in Deutschland registriert. In dieser Zahl sind sowohl Fälle enthalten, die sich innerhalb weniger Tage aufklären, als auch über viele Jahre/Jahrzehnte Vermisste, deren Aufenthaltsort/Verbleib nicht festgestellt werden konnte. Erfahrungsgemäß erledigen sich etwa 50 % der Vermissten-Fälle innerhalb der ersten Woche. Binnen Monatsfrist liegt die „Erledigungs-Quote“ bereits bei über 80%. Der Anteil der Personen, die länger als ein Jahr vermisst werden, bewegt sich bei nur etwa 3 %.

In manchen Fällen werden sogenannte „Man-Trailer“ eingesetzt, um vermisste Menschen zu finden. Aus beruflichen Gründen und privatem Interesse stellte ich, Stefan Beck, kürzlich Matthias Barsch vom Polizeipräsidium Unterfranken ein paar Fragen, um mehr zum Einsatz von Spürhunden zu erfahren. Diese beantwortete der Polizist schriftlich.

Frage: Seit wann nutzt die Polizei Unterfranken den Spürsinn von Hunden, um verschollene Menschen zu finden?

Matthias Barsch: Im Polizeipräsidium Unterfranken haben wir mit dem Personenspürhund („PSH“) „Krabat“ im Jahr 2012 den ersten Diensthund in den Einsatz gebracht, der anhand von Individualgerüchen eine Person verfolgen kann. Zuvor konnten die Diensthunde lediglich über eine Fährtenarbeit (Verletzung der gewachsenen Bodenstruktur wie Wiese und ähnliches) oder über die Stöberarbeit (der Hund bekommt menschliche Witterung in seiner Umgebung in die Nase) zur Suche nach Personen eingesetzt werden.

Wie werden Hunde auf ihren Einsatz als „Man-Trailer“ vorbereitet?

Matthias Barsch: Die Ausbildung erfolgt vom Ankauf des Diensthundes (meist im Welpenalter) schrittweise mit Steigerung des Schwierigkeitsgrades. Der Diensthund wird zunächst über positive Konditionierung dazu gebracht, den Menschen zu suchen, dessen Geruch er zuvor präsentiert bekommt. Im Laufe der Ausbildung werden die Schwierigkeitsgrade wie Suchstrecke, das Alter der Spur, die äußeren Umwelteinflüsse und ähnliches immer weiter gesteigert, bis diese in einer Prüfung bewertet werden. Im Anschluss kann der Diensthund im Echteinsatz verwendet werden.

Welchen Nutzen hat die Polizei ganz konkret beim Einsatz von Man-Trailern?

Matthias Barsch: Im günstigsten Fall findet das Team Diensthundeführer und Diensthund die gesuchte Person. In den meisten Fällen jedoch können die Diensthunde Hinweise über eine Laufrichtung geben, so dass weitere Maßnahmen darauf gestützt werden können. Hier ist nicht nur die Suche nach Vermissten zu nennen, sondern auch Suchmaßnahmen im Fall einer Straftat, also die Suche nach einem Straftäter. Anhand des so rekonstruierten Streckenverlaufes können Hinweise auf die Fluchtrichtung, eventuelle Zuwendungsorte gewonnen werden, auch das Auffinden von entsorgten Beweismitteln auf der Spur kann den ermittelnden Sachbearbeitern im Verfahren weiterhelfen.

Gab es mal einen besonders kuriosen Fall, an den Sie sich noch heute erinnern?

Matthias Barsch: Im Fall des als Terrorakt einzustufenden versuchten Tötungsdeliktes vom 18. Juli 2016 in Heidingsfeld, bei dem der Tatverdächtige mehrere Personen mit einem Messer und einer Axt in einem Zug teilweise schwer verletzt hatte, bekamen wir am nächsten Tag den Auftrag, den Fluchtweg des Tatverdächtigen zu rekonstruieren. Die Maßnahme sollte unter anderem dazu führen, das verschwundene Mobiltelefon des Tatverdächtigen aufzufinden. Mit mehreren Teams von Diensthundeführern mit ihren Personenspürhunden konnten wir den Fluchtweg recht genau ausarbeiten, auf dem Suchverlauf konnten wir auch das Mobiltelefon auffinden. Dadurch konnten die Hintergründe der Tat ermittelt und somit von den Kollegen besser beleuchtet werden

Wie kann es sein, dass Hunde im Einsatz als Man-Trailer auch nach mehreren Tagen „des Verschwundenseins“ einer Person „auf die Spur“ kommen können?

Matthias Barsch: Die Schwierigkeit bei der Ausarbeitung einer Spur liegt unter anderem darin, wie lange sich die von einer Person abgesonderten Geruchspartikel in der Umgebung halten können. Dies ist sehr individuell und von Fall zu Fall unterschiedlich. So kann zum Beispiel Wind, Regen oder extreme Hitze eine Geruchsspur in sehr schneller Zeit so verändern oder vernichten, dass für den Diensthund keine Spur mehr auffindbar ist. Im umgekehrten Fall kann eine günstige Witterungslage eine Geruchsspur jedoch länger auffindbar machen. Eine generelle Aussage über eine Haltbarkeit der Spur kann somit nur sehr schwer vorgenommen werden.

Vielen Dank für das Interview!

Zur Person: Matthias Barsch ist Beauftragter für das Diensthundewesen im Polizeipräsidium Unterfranken in Würzburg. Der 59-Jährige ist Ausbilder im Bereich Schutzhund, Rauschgiftspürhund, Personenspürhund. Zudem ist er Prüfer im Diensthundewesen Schutzhund und Personenspürhund. Im Privatbereich ist Matthias Barsch Sachverständiger für das Hundewesen (öffentlich bestellt und vereidigt). Im Dezember 2026 geht er in Ruhestand.

Bild oben: Matthias Barsch (Polizeipräsidium Unterfranken)

Stefan Beck, Kitzingen, 29. Mai 2026